Der Mensch – Die Medien – Der Weihnachtsmann

von Martin

Durch die Erfindung des Fernsehens vor ungefähr 80 Jahren und mit der Ausstrahlung erster gesellschaftsfähiger Programme, hat sich das Zusammenleben der Menschen stark verändert. Telemedien etablierten sich fest in den Alltag und drängten sich immer konsequenter in den Vordergrund.
Saß man sich früher noch zum Gespräch gegenüber, so werden heute in den allermeisten Wohnzimmern Sofa, Sessel, Opas ergonomisches Sitzkissen und Co. zum Fernsehgerät hin ausgerichtet. Das Suchen nach dem Sweet Spot der brandneuen 5.1 Kino-Surround Anlage wird immer wichtiger und welche der acht Fernbedienungen eigentlich was steuert, weiß nur der berühmt berüchtigte Geier.
Für Manche, die besonders schnell und ehrgeizig im 21. Jahrhundert angekommen sind, sind das jedoch schon alte Hüte. Wer schaut denn noch zum Fernseher? Second Screen und Transmedialer Content sind en vogue, wenn nicht sogar #swaggy.
Also weiter geht’s. Nachdem sich die menschliche Rasse darwinistisch zum Fernseher gedreht hat, beginnen die ersten Exemplare damit, sich mit dem an der Hand verwachsenen, mobilen Endgerät einzuigeln. Ein Familienabend wird zu einer Kaskade simultan stattfindender One-Man-Shows: Papa sucht bei Ebay nach dem nutzlosesten Steckschlüsselaufsatz für die längst vollzählige Sammlung, Mama versteht die Rezepte im Online-Kochbuch nicht – God Save the Lieferdienste – und die 14-jährige Tochter twittert aufgeregt #langweilig vom iPhone 6 Plus, das TV-Programm ist sowieso Nebensache, kann man sich ja alles später aus der Mediathek holen. Da kann ich wenigstens einen niederschmetternden Kommentar an den Produzenten drunterschreiben, was ihm eigentlich einfällt, mir so einen Schund in meinen Fernseher zu setzen.

Das tägliche Drama, das einen veranlassen könnte, all diese teuflische Technik zum Kuckuck zu schicken – ob dieser damit besser dran ist, wage ich zu bezweifeln.

Doch siehe da: es ist Weihnachten. Das beliebteste Fest im deutschsprachigen Raum soll den Tag retten.
Man kommt zusammen, hat sich lieb, isst, trinkt, erzählt sich was. So die Idealvorstellung. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass auch hier die Medien ihre Finger mit im Spiel haben. Allerdings werden die meisten Leute nach der Frage „Was läuft zu Weihnachten bei dir im Fernsehen?“ ein Lächeln im Gesicht haben.
Denn neben Plätzchen, Geschenken, aufgezwungener Weihnachtsstimmung Dank 30 Jahren Last Christmas ist es doch der ein oder andere Film, der einfach zur Weihnachtszeit dazugehört.
So ziemlich jedes Kind kennt den kleinen Rabauken Kevin, der es alle Jahre wieder schafft, von seiner Familie zu Hause vergessen zu werden, um sich gegen die trottelig-sympathischen Einbrecher Harry und Marv zu behaupten.
Wie soll ich meinen Glühwein genießen, ohne all die wunderbaren Geschichten aus der Märchenwelt – Frau Holle, Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Das singende Klingende Bäumchen und König Drosselbart stimmen mich auf besinnliche Weihnachtstabende ein. Nicht zu vergessen die Klassiker unserer osteuropäischen Nachbarn! „Mit der Vorderfront zu mir!“ keift mir eine hakennasige Hexe Baba Jaga aus der Flimmerkiste entgegen, während Väterchen Frost zumindest digital für eine weiße Weihnacht sorgt. Tatsächlich kommt in den Feiertagen jeder auf seine Kosten. Für Mama gibt’s die schönsten Liebesgeschichten, die Kinder sind ob der vielen Zeichentrickfilme mit Micky und Donald voll aus dem Lebkuchenhäuschen und was wäre das Fest der Liebe ohne eine handfeste Rauferei?
Wenn Officer John McClane sich durch ein Hochhaus prügelt, schmeckt Papa der Eierlikör gleich doppelt so gut.

Es ist spannend zu sehen, wie es das Fernsehen, obwohl als Feind des Gesprächs verschrien, dennoch schafft uns solch schöne gemeinsame und friedliche Momente zu bescheren. Dabei müssen es gar nicht mal weihnachtliche Filme sein. Es reicht der Gedanke „Ja! Der kommt immer zu Weihnachten.“, um uns in Heilig Abend Stimmung zu versetzen.

Einen Film zu schaffen, bei dem allein der Gedanke an diesen die Menschen dazu bewegt, sich wohl zu fühlen und ihn mit guten Zeiten in Verbindung zu bringen, ist meines Erachtens das höchste der Gefühle für Filmschaffende und ein erstrebenswertes Ziel. Ob Reis+ es schafft, Euch eines Tages mit solch einem Werk die Tage zu versüßen – wer weiß.
Und da der Geier immer noch nach der richtigen Fernbedienung sucht, bleibt die Antwort auf diese Frage wohl noch eine Weile offen.

Reis+ wünscht Euch allen eine frohe Weihnacht, schöne Feiertage und eine erholsame, besinnliche Zeit mit Euren Familien und Freunden! Treibt es bunt, aber lasst die Nadeln an der Tanne liebe Leute!

 

Maerchenprogramm_Weihnachten

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